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Insel Usedom - Geschichten


Usedom von der Küste betrachtet

Am letzten Juli-(Sonn)Tag rief mich der Wecker noch bei Dunkelheit auf den Weg, denn ich hatte ein ehrgeiziges Ziel: die gesamte Außenküste Usedoms in einem "Ritt" zu erwandern. Dazu verzichtete ich sogar auf die "Hufe", sprich Schuhe, denn so konnte ich ohne Konsequenz auch mal ins Wasser ausweichen.

Das Windwatt am Peenemünder Haken mit seinen oft freiliegenden Sandbänken konnte ich in der Morgendämmerung nur erahnen.
Zwischen Karlshagen und Trassenheide entdeckte ich im Licht der aufgehenden Sonne die ersten richtigen Dünencamper.



In Zinnowitz nutzte ich die seltene Chance, die Villen an der östlichen Promenade im Morgenrot zu fotografieren.


Die spiegelglatte See, der von der reinen Morgensonne gefärbte Strand, die Buhnen zwischen Zempin und Koserow als Fotomotiv sowie die knapp drei Stunden flotten Marsches bewegten mich zur ersten Rast am noch fast menschenleeren Strand. Von hier aus unternahm ich einen Abstecher über die Düne zur schmalsten Stelle der Insel, wo sich der Außendeich mit Radweg, die Bundesstraße 111, die Bahnlinie sowie der Binnendeich zum Achterwasser auf nur knapp 200 Meter zusammen drängen. Vor gut 100 Jahren durchbrach hier das Hochwasser zum letzten Mal die Insel. Seitdem wurde aber die Außenküste so befestigt, dass eine Wiederholung hoffentlich auszuschließen ist.



Der Koserower Fischerkahn hinter dem schwimmenden Kormoran kündigte eine markante Stelle der Küste an, den Streckelsberg. Er gehört mit knapp 60 Metern neben den fast gleich hohen Langenberg und Golm zu den drei höchsten Erhebungen der Insel. Ohne den aktiven Küstenschutz der letzten Jahre wäre er dem Abtrag preisgegeben, aber mit Aufspülung und Steinwällen konnte hier den natürlichen Kräften zunächst Einhalt geboten werden.



Zwischen Kölpinsee und Ückeritz wurde mir erstmals bewusst, dass es Flecken am Strand gibt, in deren Nähe man mit Kraftfahrzeugen nur schwer gelangen kann. Sie sind dementsprechend unberührt und menschenarm - also ein Geheimtipp.
An der Steilküste von Ückeritz mit ihren beiden Restaurants erinnert nichts mehr an die Folgen des Sturmhochwassers von 1995, als die Grundplatte eines der beiden schon teilweise in der Luft hing…



Kilometerlang erstreckt sich der Strand zwischen Ückeritz und dem Langenberg, ständig begleitet vom Ückeritzer Campingplatz. Dort, wo der Langenberg beginnt, passiert der Wanderer einen Sportstrand, von der B 111 zwischen Kreuzung Schmollensee und Bansin leicht per PKW zu erreichen. Mitten in der Natur kommt hier mit den schnellen Booten ein Hauch von Exklusivität zum Vorschein.
Der Berg selbst bildet mit seinem Kliff einen der urigsten Abschnitte der gesamten Küste. Abgestürzte Bäume, kleine Minibuchten und eingelagerte Findlinge zeugen von der fortdauernden Dynamik der Küste, die sich hier jährlich ein neues Stück vom Land nimmt.
Apropos Dynamik, spätestens ab hier begann ich die Idee des Barfußlaufens etwas differenzierter zu betrachten, nicht nur wegen der Naturschönheiten verringerte ich meine Reisegeschwindigkeit.
Das Seebad Bansin kündigte sich mit Strandkörben und dunklen Wolken an, die jedoch bald wieder der Mittagssonne wichen.



Hier begann die letzte Etappe meines Fußmarsches, ein Küstenabschnitt mit durchgängig belebtem Strand, abwechselndem Blick auf bäderarchitektonische Promenaden und bewachsenen oder bepflanzten Dünenabschnitten. Der Kulmberg von Heringsdorf signalisierte mir die nahende Seebrücke.
Bereits seit Passieren des Langenbergs hatte ich mein Ziel, die polnische Grenze, in Gestalt der Swinemünder Hafenkräne vor Augen, es näherte sich jedoch nur langsam. Mein Blick war in die Ferne gerichtet und erholte sich nochmals an der Ahlbecker Seebrücke als dem Wahrzeichen Usedoms.


Von Ahlbeck bis zur polnischen Grenze wird der Strand von flachen Dünen und Wald begleitet.
Endlich: Der Grenzzaun war erreicht, ich suchte einen Platz in den Dünen, holte die Sandalen aus dem Rucksack, um den Restweg zum Bahnhof Ahlbeck-Grenze der Usedomer Bäderbahn (UBB) wieder besohlt absolvieren zu können.

Rainer Höll




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